Wo jedes Staubkorn zählt

Reinräume sind besondere Räume – und brauchen ganz eigene Gebäudeautomations-Konzepte

Mittwoch, 28. November 2018

Reinräume sind ganz besondere Orte. Sie sind das Herz für die Produktion von sensiblen, wertvollen Gütern wie etwa Mikrochips oder medizinischen Wirkstoffen. Kein Staubkorn, kein Mikroorganismus darf dabei in den Raum gelangen. Zugleich müssen Reinräume die Menschen, die in ihnen arbeiten, besonders schützen: vor Wirkstoffen der Pharmaproduktion, Krankheitserregern im Sicherheitslabor, brennbaren Substanzen oder auch toxischen Chemikalien in der Halbleiterfertigung. Und wenn etwas schief geht, kann es schnell gesundheitsgefährdend – und richtig teuer werden.

So wie etwa am 4. September 2013. Bei einem chinesischen Speicherhersteller schließt Ende August ein Subunternehmer Prozessgasleitungen im Verteilerschrank falsch an – statt Stickstoff fließt Wasserstoff. Als später eine Fertigungsmaschine eingeschaltet wird, kommt es zu einer Explosion. Der Rückversicherer Munich Re beziffert den Schaden an Spezialgeräten, Gebäude und wegen der Betriebsunterbrechung auf 860 Millionen US-Dollar.

„Die wichtigsten Brandrisiken sind Defekte oder Überlastung an der Elektrik von Gebäuden oder Geräten“, sagt Thomas Riffel, der bei Building Technologies auf Brandschutz in Reinräumen spezialisiert ist, „kommen leichtentflammbare oder explosive Flüssigkeiten und Gase hinzu, wird es wortwörtlich brandgefährlich.“ Dazu kommt, dass herkömmliche Branderkennung an ihre Grenzen stößt. Hohe Luftströmungen oder Filter machen es schwierig, Rauchpartikel oder Brandaerosole zu identifizieren. Die Lösung: Rauch-Ansaug-Melder. Sie saugen Luftproben ab und prüfen sie in einer externen Melderkammer.


Gefragt: ganzheitliche Konzepte
Solche Melder sind Bestandteil eines ganzheitlichen Brandschutzkonzepts für Reinräume, das frühzeitig und zuverlässig ein Feuer erkennt und automatisch die richtigen Schritte einleitet. Von der schnellen Brandfallsteuerung über die sichere Alarmierung und Evakuierung bis hin zur Aktivierung des automatischen Löschsystems. Und das alles als Teil eines Gebäudeautomations-Gesamtkonzepts: „Siemens bietet ein integriertes Life-Science-Portfolio für den Reinraum an“, erläutert Thorsten Schmitt von Building Technologies.

Alle Gewerke im Raum sind miteinander verbunden und arbeiten perfekt zusammen. Dazu zählen zum Beispiel die Raumluftbilanzierung und -druckregelung oder die Temperaturregelung mit Thermoautomatik. Sämtliche Daten vom Differenzdrucksensor bis zur Zutrittskontrolle laufen auf der Managementplattform Desigo CC auf. „Für Labore und Reinräume ist dort auch das GxP-Monitoring integriert, das den regelkonformen Betrieb dokumentiert“, sagt Thorsten Schmitt. „Wir haben zum einen ein erprobtes Konzept für Reinräume, das Brandschutz, Sicherheitssysteme und Gebäudeleitsysteme optimal aufeinander abstimmt. Und zum anderen liefern wir Lösungen für den voll vernetzten Reinraum der Zukunft.“

Virtuell den Reinraum kennenlernen
Mit einer virtuellen Nachbildung des eigenen Reinraums lassen sich Mitarbeiter trainieren, ohne den realen Reinraum zu kontaminieren. Virtual-Reality-Brillen erleichtern Schulungen und Lernerfolge deutlich. Augmented Reality dagegen vermischt die reale und die virtuelle Welt: Die computergestützten Cleanroom-Glasses zeigen Echtzeitdaten aus dem Reinraum und der vernetzten Gebäudeinfrastruktur im Sichtfeld des Mitarbeiters.

Auf der Branchenveranstaltung Lounges on Tour in Berlin und der Reinraummesse Cleanzone in Frankfurt konnten Besucher die neuen virtuellen Möglichkeiten bereits ausprobieren.

Neugierig geworden? Dann merken Sie sich den 5. bis 7. Februar vor und treffen Sie unsere Experten auf der Lounges 2019 in Karlsruhe.