Europa-Park Hotel Colosseo

Der Kunde

Nach dem Castillo Alcazar und dem El Andaluz ging am 1. Juni 2004 das Colosseo als drittes Erlebnishotel im Europa-Park in Rust bei Freiburg in Betrieb. Während beim äußeren Erscheinungsbild vom Bauherrn viel Wert auf südländischen Charme gelegt wurde, sorgt hinter der italienisch-römischen Kulisse modernste Gebäudetechnik für reibungsloses Funktionieren. Ein Novum: Der Energiestandard des Vier-Sterne-Superior-Hotels übertrifft deutlich die Vorgaben der EnEV. Erreicht wird dies nicht nur durch den erhöhten Wärmeschutz, sondern auch durch die geothermische Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen sowie Wärmerückgewinnungssysteme bei der Raumlufttechnik und den Gastro-Kälteanlagen.

Die Aufgabe

Beim Colosseo stand von vornherein die ganzjährige Nutzung und damit ein möglichst hoher Energie(spar)standard fest. Vorgabe an die Fachplaner war, dass der Komfort des Gastes in jedem Fall Vorrang hat, d.h. Energiesparmaßnahmen entweder baulicher oder funktionaler Natur sein müssen, ohne die Wirtschaftlichkeit außer Acht zu lassen.

Die Lösung

Das Erdgeschoss ist in Stahlbetonskelettbauweise errichtet mit 12 cm Wärmedämmverbundsystem aus Mineralwolle. Ab dem 1. OG bestehen die Außenwände aus 36 cm Gasbeton. Bei den Fenstern entschied man sich für eine Verglasung mit Ug = 1,1 W/m2K. Alle Gästezimmer werden durch bedarfsgeregelte Abluftanlagen belüftet. Die Zuluftführung erfolgt über Zuluftelemente in den Fensterprofilen; die Abluft wird über bedarfsgesteuerte Abluftventile (Lichtschalter) in den Bädern abgeführt. Der Volumenstrom beträgt in der Grundlast 30 m3/h und wird über den Lichtschalter auf 60 m3/h erhöht. Alle Hotelzimmer, inklusive der Hotelsuiten im Hauptgebäude, aber außer den Luxussuiten im "Colosseum", sind mit manuell zu betätigenden Radiatoren ausgestattet. Zur Grunderwärmung der Badezimmer sind die Rückläufe der Heizkörper im Badfußboden verschleift. Reicht diese Wärme nicht aus, kann der Gast über eine Zeitschaltuhr einen spontan wirkenden elektrischen Heizstrahler mit 2 kW Leistung in Betrieb setzen. Dieses Heizkonzept hat sich für die spezielle Belegungsstruktur des Hotels als die energetisch und wirtschaftlich sinnvollste Variante erwiesen. Die Suiten im Hotelgebäude sowie im Colosseumbogen werden über dreistufige Fan-Coils gekühlt, die im Colosseum auch beheizt werden. Der Gast hat hier die Möglichkeit, die Raumtemperatur über die LONbasierenden Einzelraumregler um ± 3 K zu korrigieren. Die Restaurants werden über Fußbodenschlangen geheizt bzw. gekühlt.

Der Nutzen

Bis zum Bau des Colosseo herrschte bei der Automatisierung der Gebäude im Europa-Park die Philosophie vor, die Anlagen möglichst dezentral vor Ort über Regelgeräte zu bedienen. Mit dem Ausbau der Hotelkapazität stellte sich für den Bauherrn jedoch auch die Frage, wie ein künftiges Gebäudemanagement bzw. Facility Management für einen Hotelkomplex dieser Größenordnung aussehen könnte. Zu dieser Zeit kam Siemens Building Technologies mit dem offenen Gebäudeautomationssystem Desigo bzw. den Automationsstationen Desigo PX auf den Markt, die nach eingehender Prüfung vom beauftragten MSR-Unternehmen, der SSG, Starkstrom Systeme GmbH, Freiburg, dem Bauherrn als wirtschaftlich vorteilhafte und zukunftssichere Lösung empfohlen wurde. Bereits während der Bauphase zeigten sich die Vorteile des Systems, da es aufgrund der sehr knappen Planungs- und Bauzeit von nur drei bzw. 15 Monaten auch bei der Gebäudetechnik immer wieder zu Änderungen kam. Diese ließen sich mit den flexiblen PX-Automationsstationen bedeutend einfacher realisieren als mit dem ursprünglich geplanten Gebäudeautomationssystem. Auch hatte sich während der Bauphase die Anzahl der Datenpunkte gegenüber der ursprünglichen Planung praktisch verdreifacht. Dass es sich bei den PX-Controllern um native BACnet-/LONTalk-Geräte handelt, spielte für die Entscheidung zunächst keine Rolle. Als die Anlage dann in Betrieb war und die Gebäudetechniker die Vorteile des offenen Systems erkannten, reifte der Plan, bei künftigen Modernisierungen nach Möglichkeit die vorhandenen MSR-Anlagen Schritt für Schritt in ein übergeordnetes Gebäudemanagement zu migrieren.