VDI 3813 - Richtlinie für Raumautomationsfunktionen

Durch den richtigen Einsatz von Automation ergeben sich viele Vorteile. Dies gilt für viele Anwendungen des privaten wie auch geschäftlichen Lebens, denkt man nur an Kreditkarten, die Klimaanlage  im  Automobil oder eine moderne CNC gesteuerte Metallbearbeitungsmaschine. Dem Einsatz von Automation in Gebäuden stehen viele jedoch kritisch gegenüber. Das gilt sowohl für Bauherren oder Investoren als auch für Betreiber und Nutzer von Gebäuden. Eine sinnvoll geplante und installierte Gebäudeautomation führt jedoch zur Senkung von Betriebskosten (Personal, Energie, Wartung, Instandhaltung etc.), optimiert den Nutzen (Komfort, Wohlbefinden, Produktivität, Sicherheit etc.) und steigert die Wertschöpfung durch z.B. bessere Vermietbarkeit oder höhere Wiederverkaufserlöse.

Den meisten Beratern, Planern, Produktherstellern und auch ausführenden Firmen fällt es jedoch schwer, die Vorteile der Automatisierungstechnik ihren Kunden objektiv und transparent nachvollziehbar darzustellen. Es wird vielmehr, wie häufig in Ingenieurberufen üblich, über die Technik und nicht über den Nutzen argumentiert. Einen großen Anteil an den Automationsfunktionen in Gebäuden haben die Automationsfunktionen in den Räumen, die RA-Funktionen. Dazu gehören die Anwendungsbereiche der Raumautomation, beispielsweise Raumluftkonditionierung, Beleuchtungsautomatik, Sonnen-/Blendschutz (gegebenenfalls mit Tageslichtlenkung), Zutrittsüberwachung oder Gefahrenmeldung (z.B. Brand). Darüber hinaus sind insbesondere die übergeordneten RA-Funktionen von Interesse, z.B. Energieoptimierung oder auch Szenarien, bei denen einzelne Funktionen im Raum aufeinander abgestimmt und systemübergreifend zusammenwirken.

Die Praxis zeigt, dass zwischen Bauherren, Planern und ausführenden Firmen sehr häufig Unklarheit darüber besteht, welche Funktionen überhaupt möglich sind und wie die Funktionen eindeutig definiert sind. Dazu kommt als weitere Schwierigkeit, dass sich übergeordnete Funktionen nicht mehr, wie bisher üblich, in die Gewerke der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) trennen lassen, sondern schon bei der Planung eine ganzheitliche Betrachtungsweise erfordern. Um die Qualität bei Planung und Ausführung zu optimieren und auf die Wünsche des Bauherrn abzustimmen, ist es erforderlich, Begriffe und Funktionen zu definieren, um allen Beteiligten beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden eine einheitliche Basis für ihre Arbeit und insbesondere die Zusammenarbeit zu schaffen. In dieser Richtlinie sind die Grundlagen, Begriffe und Definitionen zusammengestellt, um eindeutig RA-Funktionen auf Basis von Nutzungsanforderungen nach VDI 3813 Blatt 2 und Blatt 3 festlegen zu können. Die Definition der RA-Funktionen erfolgt dabei technologieunabhängig, das heißt, die technische Umsetzung durch Geräte, Hardware, Software und Kommunikationstechnik wird hierdurch nicht festgelegt. Vielmehr werden lediglich die Anforderungen an die technische Lösung formuliert. Die technische Realisierung kann in der Regel auf unterschiedliche Art und Weise, je nach Projektanforderung und dem Stand der Technik nach wirtschaftlichen, technischen und strategischen Kriterien erfolgen.

VDI 3813